Female Genital Mutilation: Was wirklich in Afrika passiert

Obwohl die Genitalverstümmelung in Südafrika rechtlich verboten ist, bleibt die Tradition in vielen Stämmen bestehen. Waris Dirie, ein somalisch-österreichisches Model, kämpft seit ihrer Kindheit gegen die Ungerechtigkeit und Diskriminierung, die in afrikanischen Völkern kultureller Brauch ist. 

Waris Dirie war 5 Jahre alt, als ihre Mutter sie eines Tages an das Flussufer in ihrem Heimatdorf Galkayo, Somalia, brachte. Ohne zu wissen was passiert, wurden Diries Hände festgebunden und ihre Beine brutal aufgespreizt. Eine ältere Heilerin aus dem Dorf packte ihre Messer aus. An diesem Tag wurde Waris Dirie beschnitten.

Weltweit leben in etwa 200 Millionen Frauen mit den Folgen der Genitalverstümmelung, die keinerlei medizinische Nutzen mit sich führt. So wie in Somalia auch, finden sich diese Ereignisse verstärkt in Südafrika wieder.

Vor fast 20 Jahren wanderten Migranten nach Südafrika aus. Mit ihnen kamen die tief eingewurzelten Bräuche und Kulturen. Westliche, östliche und nördliche Regionen in Südafrika, in denen Migranten aus Ägypten, Somalia, Äthiopien, Eritrea, Guinea, Sierra Leone und vielen mehr, leben, sind am meisten betroffen. Laut UNICEF liegt der Anteil der betroffenen Frauen zwischen 15 und 49 Jahren in diesen Ländern bei mindestens 87%.

In afrikanischen Ländern gelten Mädchen und Frauen nach traditionellem Glauben als unrein, wenn ihre Geschlechtsorgane vorhanden sind. Die Klitoris wird als Gottes Geschenk betrachtet, das ausschließlich den Zweck hat, sexuelles Vergnügen zu erzeugen.

Was versteht man unter der weiblichen Genitalverstümmelung?

Der internationale Begriff lautet FGM – die Kurzform für den englischen Ausdruck Female Genital Mutilation. Grundsätzlich wird die Beschneidung in vier Typen eingeteilt.

  • Typ 1: Die komplette Klitoris wird oftmals komplett abgetrennt. Selten wird nur die Haut über der Klitoris entfernt.
  • Typ 2: In dem Fall werden zusätzlich die Schamlippen entfernt. 
  • Typ 3: Die Vagine wird zugenäht. Dabei bleibt eine kleine Öffnung für die Menstruation und den Urin bestehen. 
  • Typ 4: Weitere Verstümmelungen der weiblichen Genitalien wie Verätzung, Ritzung, Piercings, Einschneiden, Stechen im Genitalbereich, werden in die letzte Scharte eingeteilt. 

Bekannt für die Durchführung von FGM ist das Volk der Vendas, einer Ethnie aus Südafrika. Sie praktizieren die Genitalverstümmelung seit Jahrzehnten. 

Eine Frau, die vor maximal 8 Wochen ihr erstes Kind gebärt hat, wird traditionell von einer Heilerin aus dem Dorf verstümmelt. Das entfernte Gewebe wird anschließend mit schwarzem Pulver und Öl gemischt und auf dem Kopf des Neugeborenen verteilt. Diesen Prozess nennen die Vendas “Muthoso”. Das Gemisch soll das Neugeborene vor “Goni” schützen. Das ist eine Schwellung des Hinterkopfes, die viele Kinder nach der Geburt mit sich tragen. 

In anderen Kulturen wird “Nonyana” exerziert. Die weibliche Verstümmelung soll in diesem Fall bei Mädchen den Wandel zur Frau zeigen. Die Beschneidung im jungen Alter soll ihre Jungfräulichkeit und Reinheit vor der Ehe sicherstellen.

Wie sieht die gesetzliche Lage zu FGM in Südafrika aus?

Südafrika selbst hat kein FGM-Gesetz verabschiedet. Verstümmelung gilt jedoch als Körperverletzung. Die südafrikanische Verfassung veröffentlichte 1995 die CEDAW („Convention of the Elimination of all Forms of Discrimination against Women“) und die „Convention of the Rights of the Child“. In diesem Sinne wird jeder Frau und jedem Kind das Recht auf Freiheit, Leben, Sicherheit und Würde zugesprochen.

FGM ist eine Verletzung der persönlichen Integrität einer Person. 

Die World Health Organisation betrachtet die Genitalverstümmelung als tief verwurzelte Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und stellt für mich eine extreme Form der Diskriminierung von Frauen dar.

Der südafrikanische Staat möchte mit Sensibilisierungsworkshops und Informationsarbeiten der FGM ein Ende setzen. Meiner Meinung nach muss die Gesellschaft zum Umdenken gezwungen werden.

Aufgrund dieser menschenverachtenden Zustände in Afrika gründete Waris Dirie 2002 ihre Kampagne mit dem Unterwäschehersteller Coco de Mer und dem britischen Fotografen Rankin. Dirie schrieb das Buch „Wüstenblume“ über ihre traumatisierende Kindheit. Als sie im Alter von 14 Jahren aus ihrem Dorf in der somalischen Wüste flüchtete, um der Zwangsverheiratung mit einem älteren Mann zu entkommen, fand sie nach einer langen, einsamen Reise eine Unterkunft bei Verwandten in Großbritannien. Später wurde Dirie von einem Fotografen in London entdeckt.

Waris Dirie ist seither eine emanzipierte Frau, die nicht schweigen will. Mit ihrer „Desert Flower Foundation“, deren Hauptsitz sich in Wien befindet, will sie menschenrechtsverachtende Kulturen in die Vergangenheit rücken und vor allem Frauen und Mädchen vor einem grausamen Schicksal bewahren.

von Yasmin Can, 14.06.2022

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